Gaby Peters  
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Claudia Nussbauer (Ministerium für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr des Landes NRW) //
Laudatio zum EMA (Economy meets Art)-Preis, Aachen

Bei dem Stichwort "Kunst" denken die meisten wohl spontan an Farben auf Leinwand, gerahmte Fotografien und dergleichen. Aber von jeher gehörten auch Bildhauerei und Architektur zu den bildenden Künsten. Und auf neuartigen Pfaden zwischen diesen beiden bewegen sich die beiden Objekte von Gaby Peters, um die es hier vornehmlich, aber nur als Beispiele für ähnlich geartete Kunst geht. Es sind große Skulpturen, die auf den ersten Blick industrielle Maschinen sein könnten und sich erst auf den zweiten Blick als Kunstobjekte offenbaren.

Die Gestaltung und Größe sind jedoch nicht die einzigen beiden Faktoren, die "Fortuna X14.3" und "No Milk Today" von Gaby Peters mit der Industrie verbindet. Denn ohne eben jene wäre es nahezu unmöglich gewesen, die Objekte in der geplanten Form herzustellen. Eben weil auch Material und Aufbau an Fertigungen aus der Industrie angelehnt sind, griff das Industrie-Design-Unternehmen red point mit Sitz in Dortmund der Künstlerin unter die Arme, damit sie schaffen konnte, was sie schaffen wollte.
Das Projekt richtet sich an junge Künstler aus den Bereichen Skulptur und Installation. Im Laufe der Zusammenarbeit dürfen sie die Werkstätten des Unternehmens nutzen, unter anderem zum Modellbau, CNC-Fräsen und zum Vaccuum-Guss und erwerben Kenntnisse in der Anwendung entsprechender Computerprogramme – nicht selbstverständlich für Künstler.

Die Jury war von dieser Idee und der ganz konkreten Umsetzung im Fall von Gaby Peters, die mit red point ihre Glückskeks-Zerstampf-Maschine "Fortuna" und die Milch-Verweigerungs-Maschine "No Milk" realisiert hat, aus folgenden Gründen angetan:
Das Unternehmen ist in der Wirtschaft zu Hause, hat aber eine durchaus kreative Ausrichtung.
  Es unterstützt mit diesem Projekt Künstler, die ohne diese Option bestimmte Einfälle aus finanziellen und logistischen Gründen kaum bis gar nicht umsetzen könnten. Die Künstler – im konkreten Fall: Gaby Peters – können die technischem Voraussetzungen vor Ort kennenlernen und nutzen. Dadurch ist die Herstellung von Bauteilen für Objekte nicht mehr abstrakt und wird nicht komplett gegen Bezahlung delegiert, sondern gehört zum künstlerischen Prozess dazu.
Dadurch, dass die Werkstätten nun auch künstlerisch genutzt werden, erhalten auch die Mitarbeiter vor Ort – von red point und weiteren Kooperationspartnern – ein Gefühl dafür, wie Kunst "funktioniert", welche Schritte und Gedanken zu einem Objekt führen.
Sowohl Künstler als auch Wirtschaft lernen voneinander, wo die Grenzen des jeweils anderen liegen, wo man aufeinander zugehen und nach Kompromissen suchen muss, aber auch, wo man miteinander Ansätze finden kann, an die bisher nicht gedacht wurde, weil für gewöhnlich alles nur aus der eigenen Perspektive gesehen wird.

Gaby Peters setzt die Kooperation auf jeden Fall fort. Den Entstehungsprozess von der Ideenskizze zum fertigen Objekt der beiden genannten Werke betrachtet sie als Teil der Kunst und will ihn daher dokumentieren. Das empfand die Jury als unterstützenswert und freut sich, einen so dynamischen Ansatz präsentieren zu können.