Gaby Peters  
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Barbara Auer, Kunstverein Ludwigshafen // Förderpreis junge Rheinland-Pfälzer Künstlerinnen und Künstler

 

 

Gaby Peters hat 2001 ihr Studium an der Akademie für Bildende Künste in Mainz begonnen und wurde 2003 in die Klasse von Prof. Knoche-Wendel aufgenommen. Seit 2006 studiert sie außerdem bei Prof. Kiessling. Obwohl sie ihr Studium noch nicht abgeschlossen hat, fand ihre Arbeit bereits vor zwei Jahren durch die Verleihung des Förderpreises der Landesbank Rheinland-Pfalz Beachtung. Gaby Peters ist Bildhauerin und Videokünstlerin. Zentrale Akteure ihrer Filme sind kleine, aus zum Beispiel Kinderspielzeugen entnommene Aufziehmotoren oder von Batterien betriebene Motoren, die ein überraschendes Eigenleben entwickeln. Drehort des 9-minütigen, 2006 entstandenen Filmloops „Sozialstudien“ ist ein Terrarium; die Kamera ist starr auf die Glaswand gerichtet. In einer Ecke befindet sich eine Kakteenpflanze, um welche sich winzig kleine Aufziehmotoren tummeln. Ihre Bewegungen sind unkontrolliert, sie rollen aufeinander zu, stoßen sich ab, fallen um, formieren sich zu Paaren oder Gruppen und entfernen sich wieder voneinander. Der Raum wirkt steril, das gesamte Arrangement erinnert an eine Laborsituation zum Studium über Verhaltensweisen bestimmter Tierarten. Je länger man jedoch dieses unberechenbare, chaotische Treiben beobachtet, umso mehr fühlt sich der Betrachter auf äußerst unterhaltsame und humorvolle Weise an menschliche Verhaltensweisen erinnert.

Neben zahlreichen Video-Arbeiten ist ebenfalls im vergangenen Jahr eine aus mehreren Teilen bestehende raumgreifende kinetische Installation entstanden. Auch hier bediente sich die Künstlerin ganz alltäglicher Gegenstände: Drei auf dem Kopf stehende Wäsche-spinnen, mit einem ausgebauten Scheibenwischermotor betrieben, bewegen sich, je nach eingestellter Geschwindigkeitsstufe des Motors, mal gemächlich langsam, mal in hektischen Bewegungen im Raum.

Die menschengroßen, fast zwei Meter hohen Skulpturen erinnern an riesige, spinnenartige Wesen. Die in den Videos thematisierte Interaktion wird hier unmittelbar erlebbar. Die Skulpturen treten untereinander in Kontakt, berühren sich oder verfangen sich gar so stark ineinander, bis sie mit Getöse umfallen und auf dem Boden liegen.

Für die Ausstellung im Kunstverein wurden drei Skulpturen mitten in das Foyer gestellt. Sie versperren damit den Zugang zur Ausstellung, stellen sich dem Besucher in den Weg. Um zur Ausstellungshalle zu gelangen, muss er an ihnen vorbei, wird zwangsläufig Teil einer Interaktion. Aufgrund ihrer Größe und unmittelbaren Präsenz, ihren unüberhörbaren klappernden Geräuschen rufen sie eine irritierende, wenn nicht gar beunruhigende Wirkung beim Betrachter hervor. Schreckt er vor ihren unkontrollierten Bewegungen zurück, lässt er sich einschüchtern oder amüsiert er sich über diese absonderliche Darbietung?

Mit großer Zustimmung hat die Jury sich entschieden, die Arbeiten von Gaby Peters mit dem Förderpreis auszuzeichnen. Überzeugend für die Entscheidung waren zum einen die Vielseitigkeit ihrer Beiträge sowie die souveräne Beherrschung beider Medien. Ihre Arbeiten sind präzise ausgeführt, gleichwohl der besondere Charme gerade in der einfachen und doch überzeugenden Art der künstlerischen Gestaltung liegt. Ohne jegliche technik-verliebte Attitüde benutzt die Künstlerin, trotz des digitalen Zeitalters, höchst einfache mechanische Motoren. Ihre kinetischen Skulpturen entwickeln ein chaotisches Eigenleben. Sie tragen menschliche Züge und führen auf humorvolle Weise stereotype Muster menschlicher Verhaltensweisen vor Augen.